in passing
Kunstprojekt / Malerei / 2026
Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Auflösung – sie zeigen Menschen, und doch entziehen sich diese konsequent der eindeutigen Identifikation. Schemenhafte Figuren durchqueren den öffentlichen Raum, in Bewegung, im Übergang, als Teil eines stetigen Flusses. Einkaufstaschen in ihren Händen verweisen auf alltägliche Routinen, auf Konsum als leise, aber allgegenwärtige Struktur unseres Zusammenlebens.
Die Gesichter bleiben unkenntlich, wie durch einen Schleier oder Nebel hindurch gesehen. Diese Unschärfe ist kein rein ästhetisches Mittel, sondern verweist auf eine politische Realität: das Verschwinden des Individuums im anonymisierten Stadtraum, die Reduktion von Subjektivität zugunsten von Funktionalität. Wer wird gesehen, wer bleibt unsichtbar? Und unter welchen Bedingungen wird Präsenz überhaupt möglich?
In einer Zeit, in der öffentliche Räume zunehmend reguliert, überwacht und ökonomisiert werden, stellen diese Malereien Fragen nach Teilhabe und Zugehörigkeit. Die dargestellten Körper erscheinen weder als klar definierte Akteure noch als vollständig aufgelöste Masse – sie bewegen sich in einem Zwischenzustand, der sowohl Isolation als auch kollektive Erfahrung andeutet.
Die Arbeiten im A4-Format unterstreichen dabei eine gewisse Intimität: Sie entziehen sich der Monumentalität und fordern eine nähere Betrachtung. Diese physische Annäherung spiegelt die inhaltliche Suche nach Nähe in einem Raum, der oft von Distanz geprägt ist.
So entsteht ein vielschichtiges Bild urbaner Existenz – fragmentarisch, flüchtig und politisch aufgeladen. Die Malereien laden dazu ein, den Blick zu schärfen für jene, die im Vorübergehen verschwimmen, und für die Strukturen, die dieses Verschwimmen überhaupt erst hervorbringen.
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In Passing
Art Project / Painting / 2026
The works presented here exist in the tension between visibility and dissolution—they depict people, yet these figures consistently elude clear identification.Shadowy figures traverse public space, in motion, in transition, as part of a constant flow.Shopping bags in their hands allude to everyday routines, to consumption as a quiet but omnipresent structure of our coexistence.
The faces remain unrecognizable, as if seen through a veil or fog.This blurring is not merely an aesthetic device, but points to a political reality: the disappearance of the individual in the anonymized urban space, the reduction of subjectivity in favor of functionality.Who is seen, who remains invisible?And under what conditions is presence even possible?In a time when public spaces are increasingly regulated, monitored, and commodified, these paintings raise questions about participation and belonging.The depicted bodies appear neither as clearly defined actors nor as a completely dissolved mass—they move in an intermediate state that suggests both isolation and collective experience.
The A4-sized works emphasize a certain intimacy: they eschew monumentality and demand closer inspection.This physical approach reflects the thematic search for closeness in a space often characterized by distance.Thus, a multifaceted image of urban existence emerges—fragmentary, fleeting, and politically charged.The paintings invite viewers to sharpen their perception of those things that blur in passing and of the structures that bring about this blurring in the first place.
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